Thesaurierung

Hier finden Anleger relevante Informationen zur Thesaurierung bei Investmentfonds. Wer kürzlich eine Abbuchung am Verrechnungskonto mit dem Text „Thesaurierung transparenter Fonds“ vorgefunden hat, findet hier die Erklärung zum Vorgang der Thesaurierung.

Thesaurierung – Thesaurierende Investmentfonds

Einfach erklärt: Thesaurierende Fonds schütten die im Fonds anfallenden Erträge nicht direkt an die Anleger aus, sondern reinvestieren diese Gewinne automatisch. Diesen Vorgang der automatischen Reinvestition nennt man Thesaurierung. Anstatt Erträge auszuzahlen, verbleiben diese im Fondsvermögen und erhöhen kontinuierlich den Wert der Anteile. Trotz der internen Reinvestition entsteht in Österreich eine Steuerpflicht auf die sogenannten ausschüttungsgleichen Erträge.

Bei steuereinfachen Brokern erfolgt die Abführung der Steuerschuld auf ausschüttungsgleiche Erträge automatisch über das Verrechnungskonto. In den Kontoumsätzen erscheint dieser Vorgang üblicherweise mit dem Hinweis „Thesaurierung transparenter Fonds“. Da der exakte Zeitpunkt der Abbuchung je nach Fonds bzw. ETF variiert und nicht präzise vorhersehbar ist, empfiehlt sich eine ausreichende Deckung auf dem Cash-Konto. Ein durch die Steuerlast verursachter negativer Saldo führt zu Sollzinsen.

Steuerwissen für Anleger in Österreich

Wie lassen sich thesaurierende ETFs erkennen?

Anleger erkennen thesaurierender Fonds über mehrere Merkmale, wie das abgebildete Beispiel des Xtrackers MSCI World UCITS ETF (Acc) verdeutlicht. Xtrackers steht für den Emittenten des ETFs, MSCI World für den Index und das Kürzel „Acc“ im Produktnamen steht für den englischen Begriff „Accumulating“ (ansammelnd) und kennzeichnet die automatische Wiederveranlage von Dividenden.

Vergleichsportale wie extraETF ermöglichen eine gezielte Filterung nach der Ausschüttungsart, um passende ETFs schnell zu finden. Neben der Namensgebung liefern die Stammdaten oder das offizielle Factsheet des Fonds verlässliche Informationen. Unter dem Punkt „Ertragsverwendung“ bestätigt der Begriff „Thesaurierend“, dass sämtliche Erträge direkt im Fondsvermögen verbleiben und den Anteilspreis steigern.

Smartphone-Screenshot der Website extraETF mit Details zum Xtrackers MSCI World UCITS ETF. Die Begriffe '(Acc)' im Titel und 'thesaurierend' in den Stammdaten sind rot hervorgehoben.
Screenshot des Xtrackers MSCI World UCITS ETF (Acc) auf der Vergleichsseite extraETF. Rot markiert sind "(Acc)" für das englische ‚Accumulating‘ und die Ertragsverwendung "Thesaurierend". Beides zeigt an, dass Dividenden direkt wiederveranlagt werden.

Wie funktioniert die Thesaurierung bei ETFs und Fonds?

Das Prinzip der Thesaurierung bei Fonds und ETFs lässt sich am besten an einem konkreten Rechenbeispiel nachvollziehen: Ein Anleger erwirbt einen Fondsanteil zu einem ursprünglichen Kaufpreis von 100 Euro. Erwirtschaftet dieser ETF am Ende des Geschäftsjahres Erträge in Höhe von 10 Euro (beispielsweise aus Dividenden der enthaltenen Aktien), werden diese nicht an das Konto des Anlegers ausgezahlt. Stattdessen verbleibt das Kapital direkt im Fondsvermögen und wird dort reinvestiert, um neue Wertpapiere zu kaufen.

Durch diese interne Wiederveranlage erhöht sich der innere Wert des Fondsanteils theoretisch um genau diese 10 Euro. Steuerlich führt dies in Österreich zu einer Besonderheit: Der steuerliche Einstandswert des Anteils wird in der Depotführung nach oben korrigiert und beträgt im System nun 110 Euro. Dieser Vorgang ist für den langfristigen Vermögensaufbau essenziell, da Anleger so maximal vom Zinseszinseffekt profitieren, ohne sich manuell um die Wiederveranlagung kümmern zu müssen.

Die steuerliche Abwicklung im Hintergrund

Obwohl keine direkte Auszahlung an den Anleger erfolgt, entsteht für die reinvestierten 10 Euro eine Steuerpflicht. In Österreich beträgt die Kapitalertragsteuer (KESt) hierfür 27,5 %, was im Beispiel einer Last von 2,75 Euro entspricht. Die Abwicklung dieses Betrags folgt einem festgeschriebenen Prozess:

  • Datenmeldung: Der Fondsanbieter meldet die Höhe der ausschüttungsgleichen Erträge an die Österreichische Kontrollbank (OeKB).

  • Berechnung: Der steuereinfache Broker ruft diese Daten ab und berechnet auf dieser Grundlage die korrekte Steuerlast für das individuelle Depot.

  • Abbuchung: Da nur der Broker Zugriff auf die Steuerdaten und das Verrechnungskonto des Kunden hat, führt dieser die Abbuchung direkt durch.

Ein realer Beleg für diesen Vorgang findet sich in den Kontoumsätzen des Xtrackers MSCI World UCITS ETF (Acc). Hier ist eine Abbuchung mit dem Verwendungszweck „Thesaurierung transparenter Fonds“ sichtbar. Am 29.04.2021 resultierte die Thesaurierung dieses Fonds (ISIN IE00BJ0KDQ92) in einer tatsächlichen steuerlichen Belastung von 21,25 Euro.

Vermeidung der Doppelbesteuerung

Durch die Korrektur des Einstandswerts nach oben (im Beispiel von 100 Euro auf 110 Euro) wird sichergestellt, dass beim späteren Verkauf nur noch der Gewinn versteuert wird, der über diesen neuen Wert hinausgeht. Diese Anpassung der Anschaffungskosten verhindert effektiv, dass bereits versteuerte thesaurierte Erträge beim späteren Veräußerungsvorgang ein zweites Mal belastet werden.

Wichtig für die Depot-Analyse: Diese steuerliche Anhebung des Einstandskurses hat zur Folge, dass die im Broker-Account angezeigte Performance oft niedriger ausfällt, als sie tatsächlich ist. Da der Buchgewinn gegenüber dem künstlich erhöhten Einstandspreis optisch schrumpft, können Anleger die reale Gesamtrendite kaum aus der Depotübersicht ablesen. Die Anzahl der gehaltenen Fondsanteile bleibt von diesem gesamten Vorgang ebenfalls unberührt.

„Screenshot einer flatex-Umsatzliste. Gezeigt wird die steuerliche Abbuchung von 21,25 EUR für den thesaurierenden Xtrackers MSCI World ETF (ISIN IE00BJ0KDQ92) mit dem Buchungstext ‚Thesaurierung transparenterFonds‘.
Auszug der flatex-Kontoumsätze: Sichtbare Steuerabbuchung von 21,25 EUR infolge der Thesaurierung beim Xtrackers MSCI World UCITS ETF (Acc) (ISIN IE00BJ0KDQ92).

Tipp: Guthaben für die Thesaurierung bereithalten

Da der exakte Zeitpunkt der Steuerabbuchung für thesaurierte Erträge schwer vorhersehbar ist, empfiehlt sich die Vorhaltung eines Liquiditätspuffers auf dem Verrechnungskonto. Diese Maßnahme verhindert einen negativen Kontosaldo, der im Rahmen der automatischen Steuerabführung durch den Online-Broker leicht entstehen kann. Ein solcher Überzug führt unmittelbar zur Verrechnung von Sollzinsen. Des Weiteren zu beachten, dass die steuerliche Belastung grundsätzlich über das interne Verrechnungskonto des Depots abgewickelt wird. Dies gilt ausnahmslos auch dann, wenn die regulären Sparplanraten per SEPA-Lastschriftmandat von einem externen Girokonto eingezogen werden.

Vorteile von thesaurierenden Investmentfonds

Die Entscheidung hin zu einem thesaurierenden Investmentfonds bietet Anlegern in Österreich signifikante wirtschaftliche und strukturelle Vorteile, die maßgeblich zum langfristigen Erfolg der Anlage beitragen:

  • Steuerprivileg bei Substanzgewinnen: Innerhalb des Fonds anfallende Kursgewinne aus dem Verkauf von Wertpapieren (Substanzgewinne) genießen in Österreich einen besonderen Vorteil. Während Dividendenerträge im Fonds mit den vollen 27,5 % KESt belastet werden, unterliegen Substanzgewinne bei der Thesaurierung einer Bemessungsgrundlage von nur 60 %. Dies resultiert in einer effektiven Steuerlast von lediglich 16,5 %(). Die verbleibenden 40 % der Steuer werden erst beim endgültigen Verkauf der Fondsanteile durch den Anleger fällig, was einen Steuerstundungseffekt über viele Jahre oder Jahrzehnte erzeugt.

  • Maximierung des Zinseszinseffekts: Da sämtliche Nettoerträge ohne Zeitverzögerung und ohne menschliches Zutun wieder in das Fondsvermögen fließen, arbeitet das Kapital bei einem „Acc“-Produkt kontinuierlich weiter. Anleger müssen sich nicht um die manuelle Reinvestition kleinerer Dividendenbeträge kümmern, wodurch das Kapital exponentiell wachsen kann.

  • Effizienz und Kosteneinsparung: Die automatische Wiederveranlage durch die Fondsgesellschaft ist für den Anleger vollkommen gebührenfrei. Im Gegensatz zu ausschüttenden Fonds entfallen hier jegliche Ordergebühren oder Provisionen. Das kann besonders bei kleineren Portfolios ein entscheidenden Faktor darstellen.

Zusammenfassend stellen thesaurierende Fonds die hocheffiziente „Set-and-Forget“-Lösung für Anleger in Österreich dar, die einen unkomplizierten, kostengünstigen und steuerlich optimierten Vermögensaufbau am Kapitalmarkt anstreben.

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