Quellensteuer

Die Quellensteuer begleitet Dich zwangsläufig bei Dividendenausschüttungen ausländischer Unternehmen. Hier findest Du die wichtigsten Informationen zur Quellensteuer, eine Liste mit den Quellensteuersätzen aus über 15 Ländern sowie nützliche Praxisbeispiele.

Was ist die Quellensteuer?

Die Quellensteuer im Zusammenhang mit Wertpapieren ist eine Steuer, welche Dich als Aktionär bei Dividendenzahlungen begleitet. Diese Steuer wird bei einer Dividendenausschüttung eines ausländischen Unternehmens direkt an der Quelle des Gewinns einbehalten. Diese Quelle ist in jedem Fall der Steuersitz des jeweiligen Unternehmens. Reine Kursgewinne unterliegen bei Veräußerung immer nur der österreichischen KESt!

Erklärvideo zur Quellensteuer
Quellensteuer

Beispiel Quellensteuer

Wenn Du eine Aktie eines ATX Unternehmens hältst, ist die KESt die Quellensteuer! Die Gewinne sind beim österreichischen Finanzamt steuerpflichtig, die Quelle des Gewinns ist also Österreich.

Hältst Du als Österreicher eine Aktie aus Deutschland, wie zum Beispiel die Allianz, so ist die Quelle des Gewinns Deutschland, da die Allianz ihren Steuersitz in Deutschland hat. In diesem Fall erhält der deutsche Fiskus 26,375% Steuern, dieser Betrag setzt sich aus der Kapitalertragsteuer (25%) sowie dem Solidaritätszuschuss (1,375%) zusammen. Je nach Land kann die Quellensteuer stark variieren, ein genauer Blick auf den jeweiligen Quellensteuersatz vor einem Investment lohnt sich also immer!

Liste ausländischer Quellensteuersätze für Anleger in Österreich

In dieser Übersicht findest Du einige relevante Quellensteuersätze wichtiger Wirtschaftsnationen. Die Berücksichtigung der Quellensteuer macht aufgrund der teils hohen Steuerbelastung für Dich als Anleger in Österreich Sinn!

Einige Länder haben in ihren Steuergesetzen Klauseln mit diversen Ausnahmen. So ist die Quellensteuer in Irland grundsätzlich bei 20%, für Privatpersonen wird diese aber auf null gesenkt! Ähnlich wie in UK, wo für ausländische Investoren keine Quellensteuer eingehoben wird. In Frankreich wurde die Quellensteuer für ausländische Investoren im Jahr 2018 von 30% auf 12,8% gesenkt, da Wertpapierlagerstellen wie Clearstream aber häufig nicht wissen, in welchem Land Anleger steuerpflichtig sind, ziehen sie weiterhin 30% ab.

Verwende diese Quellensteuer Übersicht aufgrund der diversen Klauseln in den verschiedenen Ländern nur als Richtwert. Alle Angaben ohne Gewähr!

Schweiz 35%
Belgien 30%
Frankreich 30%
Schweden 30%
Österreich 27,5%
Deutschland 26,375%
Italien 26%
Canada 25%
Südafrika 20%

Spanien 19%
Japan 15%
Russland 15%
USA 15%
China 10%
Brasilien 0%
Irland 0%
UK 0%

Quellensteuer Beispiel Flatex – Dividendengutschrift

Auf dem nachfolgenden Bild siehst Du eine Dividendengutschrift, wie sie der Broker Flatex ausstellt. Du siehst, dass die Höhe des Quellensteuersatzes bei 15% liegt und dieser einbehalten wurde.

Ausländische Quellensteter Abrechnung - flatex

Quellensteuer Beispiel Hellobank – Dividendengutschrift

Auf dem nachfolgenden Bild siehst Du eine Dividendengutschrift, wie sie die Hellobank ausgestellt hat, bevor sie von der BAWAG Group übernommen wurde. Du siehst, dass die Höhe des Quellensteuersatzes bei 38,875% liegt und dieser Betrag einbehalten wurde.

Dein steuereinfacher Broker übernimmt automatisch die korrekte Abführung der KESt für Dich!

Quellensteuer Deutschland

Doppelbesteuerungsabkommen

Ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) regelt, welcher von zwei Staaten sein innerstaatliches Steuerrecht anwenden darf und welcher ganz oder teilweise auf seine Besteuerung verzichten muss. Dadurch soll eine Doppelbesteuerung verhindert werden. Als Anleger begleitet Dich das DBA bei Dividendenzahlungen, hier wirst Du vielleicht schon einmal von einem anrechenbaren Prozentsatz gemäß Doppelbesteuerungsabkommen gehört haben, dieser beträgt 15%!

Wenn Du Aktien von ausländischen Unternehmen in Deinem Depot hast und eine Dividendengutschrift erhältst, reduziert sich in den meisten Fällen die österreichische KESt um 15% auf nur noch 12,5%! Hinzu kommt aber gleichzeitig die volle ausländische Quellensteuer, die direkt im Land in dem sie anfällt einbehalten wird.

Wenn die ausländische Quellensteuer größer als 15% ist, wie es zum Beispiel in Deutschland der Fall ist, liegt Deine effektive Steuerlast zwangsläufig bei mehr als 27,5%. Die Mehrbelastung kannst Du Dir im Nachhinein vom ausländischen Finanzamt zurückholen.

Merke Dir folgendes

Solange der ausländische Quellensteuersatz bei unter 15% liegt, bleibt die Steuerbelastung bei Deiner Dividendengutschrift wie gewohnt bei 27,5%. Ist der Quellensteuersatz höher als 15%, so ist Deine effektive Steuerbelastung zwangsläufig höher als 27,5%.

Beispiel DBA Deutschland

Deutschland hat einen Quellensteuersatz von 26,375%. Dank dem Doppelbesteuerungsabkommen reduziert sich die österreichische KESt auf 12,5% was eine Steuerbelastung von 38,875% bedeutet. Bei Dividenden deutscher Unternehmen ist Deine Steuerbelastung meistens um 11,375% zu hoch!

Die Steuerbelastung in der Höhe von 38,875% setzt sich wie folgt zusammen. Quellensteuer (26,375%) plus KESt (27,5%) abzüglich Pauschalbetrag gemäß DBA (15%).

Beispiel DBA USA

Bei Coca-Cola befindet sich der steuerliche Hauptsitz in den USA, Dividenden sind daher dort Steuerpflichtig. Die USA verrechnen 15% Steuern auf Dividenden, die vor der Überweisung auf Dein Konto in den USA einbehalten werden.

Nach dem Steuerabzug wandert das Geld zu Deinem österreichischen Konto und wird dort vor dem Erhalt abermals versteuert. Normalerweise wären 27,5% KESt fällig, nun kommt das Doppelbesteuerungsabkommen ins Spiel. Die finale KESt Belastung beläuft sich auf 12,5%. Du hast also 15% Steuern an die USA und 12,5% Steuern an das österreichische Finanzamt bezahlt.

Rückholung zu viel bezahlter Steuer

Die Rückholung zu viel bezahlter Quellensteuer ist immer beim ausländischen Finanzamt anzufordern, je nach Land gibt es hier unterschiedliche Herangehensweisen. Ein Land, bei dem Dein Antrag auf Rückerstattung wenig Sinn macht, ist Italien. In Italien wird der Antrag in der Regel erst gar nicht bearbeitet.

Ab wann sich die Rückforderung aus einem fremden Land lohnt, muss jeder für sich selbst beantworten. Häufig entstehen bei diesem Prozess an verschiedenen Stellen Bearbeitungsgebühren, die man unbedingt im Vorhinein berücksichtigen bzw. kennen sollte. Unseren Recherchen zufolge kann man pro Rückholungsantrag, der jeweils für eine Aktie gilt mit Gebühren zwischen 40-100€ rechnen. Hinzu kommt dann noch die Zeit, die Du hier investierst. Auch diese solltest Du nicht unterschätzen. In 99,9% der Fälle lohnt es sich für Privatanleger aufgrund des bürokratischen Aufwands sowie den Gebühren, die an verschiedenen Stellen anfallen können nicht, zu viel bezahlte Steuer zurückzufordern.

FAQ

Häufig gestellte Fragen

Hier sammeln wir Antworten auf häufig gestellte Fragen im Zusammenhang mit der Besteuerung von Wertpapieren.

Der Quellensteuer unterliegen Dividenden, Zinsen und Lizenzgebühren.

Bei Aktien handelt es sich um Einkünfte aus Aktien, Genussrechten oder Genusscheinen, Gründeranteilen und anderen Rechten mit Gewinnbeteiligung sowie aus sonstigen Gesellschaftsanteilen stammende Einkünfte, die nach dem Recht des Staates, in dem die ausschüttende Gesellschaft ansässig ist, den Einkünften aus Aktien steuerlich gleichgestellt ist.

Bei Zinsen handelt es sich um Einkünfte aus Darlehen, Anleihen, Obligationen, Wandel- und Gewinnschuldverschreibungen und Investmentfondsanteilen.

Bei Lizenzgebühren handelt es sich um die Vergütung oder das Recht der Benutzung bei Urheberrechten (Kunst, Literatur, Wissenschaft), sowie z.B. Patente, Marken oder Pläne. Auch das Know-How, sprich die Mitteilung gewerblicher, kaufmännischer oder wissenschaftlicher Erfahrungen fallen darunter.

Es gibt einzelne Länder, in denen keine Quellensteuer zu bezahlen ist. Beispiele dafür sind Großbritannien, Irland und Brasilien. In diesem Fall fällt lediglich der heimische KESt-Satz in der Höhe von 27,5% an.

Wenn Du in Österreich die Dividendenstrategie verfolgst, achte unbedingt auf den Quellensteuersatz der verschiedenen Länder, von denen Du Aktien besitzt. Bei Ländern mit einem Quellensteuersatz von über 15% wird Deine effektive Steuerlasst über dem KESt-Satz von 27,5% liegen.

Das bezieht sich stets auf das Land, um das es im jeweiligen Fall geht. So kann die Quellensteuer in der Schweiz für die Vergangenen drei Jahre zurückgefordert werden. In Italien muss der Antrag innerhalb von vier Jahren gestellt werden. Bis es zur Erstattung kommt, können allerdings Jahre vergehen.

In den allermeisten Fällen lohnt es sich für Anleger nicht, die zu viel bezahlte Quellensteuer zurückzufordern. Das liegt vor allem am hohen bürokratischen Aufwand sowie damit einhergehende Gebühren, die sowohl beim ausländischen Finanzamt als auch bei Deinem Broker anfallen können.

Die Rückholung der ausländischen Quellensteuern ist von Land zu Land unterschiedlich kompliziert. Eine Auflistung einiger Länder inklusive Verlinkungen zu möglichen Formularen hat das Bundesministerium für Finanzen auf ihrer Website bereitgestellt. Unter Formulare kann diese Liste abgerufen werden.