Japans Geldpolitik

Ein Blick auf die Geldpolitik Japans. Die Notenbank und ihr Jahrzehnte langer Kampf der Stabilisierung. Hintergründe, Ursachen, Folgen und Lösungsansätze.

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Das asiatische Land stieg nach dem Zweiten Weltkrieg zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht auf. Heute zählt Japan zu den größten Industrienationen der Welt. Nichtsdestotrotz hat das Land einer der größten Verschuldungsraten weltweit. Der Weg der japanischen Geldpolitik erklärt, mit einer aktuellen Darstellung und Herausforderungen, sowie ein möglicher Ausblick.

Die Strategie der Inflation

Japans Geldpolitik beruht auf den 1990er Jahren. Die Ausgangslage war die Bekämpfung der Deflation und somit eine Einführung einer expansiven Geldpolitik, um die Inflation anzukurbeln. Mit dieser Strategie war Japan eine Art Pionier und versuchte so den Absturz der Wirtschaft zu verhindern. Die BOJ (Bank of Japan) setzte den Leitzins auf null und schickte ein Konjunkturprogramm nach dem anderen an den Start.

Die Strategie der Inflation
Leitzinsentwicklung der japanischen Zentralbank von 1975 bis 2020 (Quelle: Statista.com)

Das Resultat

Japan versucht seit 2006 aus der quantitativen Lockerung schrittweise auszusteigen. Es ist zwar möglich, aber ein sehr schwieriger und langwieriger, der dafür zu beschreiten ist. Denn ein Überschießen der Inflation, ein Entgleisen der Konjunkturerholung und eine Destabilisierung der Finanzmärkte gilt es zu verhindern. Zum Rückzug Japans aus der quantitativen Lockerung hat es die richtigen Instrumente und eine richtige Kommunikationspolitik gebraucht. Wichtig war es auch, die Märkte auf ein Ende der Nullzinspolitik vorzubereiten und zu zeigen, dass die Leitzinsen lange bei null gelassen werden. Dies musste geschehen, bevor die Zinsen wieder angehoben werden. Dafür musste die BOJ (Bank of Japan) die Erwartungen der Märkte über die Dauer des Zeitraums leicht verändern. Bei Japan ist eine Bilanzausweitung durchaus möglich. Trotz allem wird Japan noch sehr lange brauchen, um sein Inflationsziel zu erreichen. Erst dann kann über einen wirklichen Ausstieg aus der quantitativen Lockerung gesprochen werden. Weiters sollte auf die Schritte der FED geachtet werden, wenn es sich um neue Maßnahmen zum Zurückfahren der quantitativen Lockerung handelt. Jedoch kam es 2008 nach dem Lehman Zusammenbruch zu einer neuen Phase der quantitativen Lockerung. Japan war weiter mit seinem schwachen Preisumfeld beschäftigt. Dann kam die Abenomics-Politik: ultralockere Geldpolitik der Notenbanken, schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme und Reformen. Mit dieser versuchte man die Krise zu durchbrechen. Von dem Erreichen des schon lange gesetzten Ziels der 2%-igen Inflationsrate ist die Notenbank noch weit entfernt. Zu diesem vorgenannten Ziel kommen nun auch die Auswirkungen der Corona- Krise 2020 auf die Wirtschaft hinzu. Von politischer Seite möchte man, an der zuvor geführten Abenomics-Politik festhalten und diese weiterführen.

Die Zukunft

Zu den Lösungsvorschlägen gibt es viele umstrittene Meinungen zu der expansiven Geldpolitik von Japan. Einerseits: Die Notenbanken hätten den Aufschwung schon früher erzielen können, wenn sie früher auf die Geldmengenpolitik umgestiegen wären. Andererseits: Geldpolitik alleine wird nicht die Lösung des Problems sein. Sie hat eine eher unterstützende Tätigkeit. Vor allem für die Finanzpolitik, welche den Ausfall der Nachfrage ausgleichen müsste.

Japan hat seit dem Jahr 2000 immer wieder versucht der Deflation im Land mit den bereits oben ausgeführten konventionellen und unkonventionellen Maßnahmen entgegenzuwirken, jedoch wurde nie eine Maßnahme besonders lange verfolgt. Immer wieder, wenn ein positives Ereignis (kurzzeitiger Aufschwung) zu verzeichnen war, war man der Meinung, dass man von weiteren, ergänzenden, Maßnahmen absehen kann. Dies vor dem Hintergrund des nicht erreichten 2 % Zieles der Inflation. Das Vertrauen der Bevölkerung und der Menschen in die Strategien der japanischen Politik ist stark gesunken. Abhilfe hätte möglicherweise eine länger anhaltende einheitliche Führung gebracht.

Eine weitere Strategie war, dass die japanische Regierung versucht hat, große Unternehmen dazu zu verleiten, dass sie die Löhne um 3 % erhöhen, da diese Lohnerhöhungen eine positive Auswirkung auf die Inflationsrate hätten. Jedoch hatten viele Japaner Angst um ihren Job (so haben viele japanische Arbeitnehmer sogar auf ihren Urlaub verzichtet), da wie oben erwähnt ihr Vertrauen immer weiter gesunken ist und zogen die Arbeitsplatzsicherheit Lohnerhöhungen vor. Die Angst bestand in der Auslagerung von Tätigkeiten und/oder durch arbeitssparende Technologien. Hier hätte es unterstützend gewirkt, den Menschen die Angst weitgehend zu nehmen und Auslagerungen zu reduzieren.

Weiters muss die Staatsverschuldung in Japan, welche 2018 über 200 % des Bruttoinlandsproduktes betrug, abgebaut werden. Ein Ansatzpunkt wäre: Unternehmensgründungen könnten erleichtert werden (Start-Ups) indem sie in größerem Stil gefördert würden und somit zu einem Wachstum und damit höheren Steuereinnahmen führen. Folgerichtig sollte man jüngeren Generationen breitere Anreize zur Selbstständigkeit bieten.

Staatsverschuldung Japans der letzten Jahrzehnte und die Prognose bis 2026 (Quelle: statista.com)
Staatsverschuldung Japans der letzten Jahrzehnte und die Prognose bis 2026 (Quelle: statista.com)

Man hofft durch die Politik der Abenomics die Wachstumsraten wieder auf die Höhe der 80er Jahre zurückzuführen zu können. Jedoch ist Japan eine sehr ausgereifte Volkswirtschaft und noch dazu besteht das Problem der Überalterung. Um hier entgegenzuwirken würde eine Öffnung des Arbeitsmarktes Abhilfe schaffen und die Arbeitsproduktivität verstärken.

Da eine Erhöhung der Geldmenge verbunden mit der Absenkung der Zinssätze nicht automatisch zu einer gesteigerten Investitionstätigkeit führt, die wiederum gesteigerte Löhne bedeuten würde, stellt sich die prinzipielle Frage nach einer Geldmengenerhöhung. Denn auch wenn es sich nicht mehr lohnt, Sparguthaben zu halten, so wird erstens bei Investitionen trotzdem Vorsicht im Vordergrund stehen und zweitens werden Banken Kredite auch weiterhin nur vergeben, wenn die Rückzahlung gewährleistet ist. Jede andere Vergabepolitik würde wieder zu einer Blase führen, welche man durch erhöhte Eigenkapitalvorschriften verhindern wollte/will. Außerdem besteht immer die Gefahr, dass überschüssige Liquidität wiederum zur Nationalbank zurückfließt.

Lösungen sind nicht alleine von Nationalbanken zu erwarten, sondern müssen in Zusammenhang mit Beschäftigungs- und Investitionsprogrammen seitens Regierungen gesetzt werden.

Japans Probleme

Eine Weiterführung der geldpolitischen Lockerung, im Hinblick auf das Problem der Null-Untergrenze, hätte womöglich dazu geführt, dass Unternehmen aufgrund der niedrigen Zinsen eine ineffiziente Ressourcenallokation in Angriff nehmen und dass sich das nachteilig auf die Wettbewerbssituation auswirkt. Weiters hätten die Käufe der ETFs zu Börsenblasen führen können und hätten damit ein verzerrtes Bild der Wirtschaft wiedergegeben.

Zudem könnten anhaltend niedrige Zinssätze die Sparquoten durch negative reale Renditen senken und würden somit die soziale Kluft und die Unsicherheit noch mehr auseinandertreiben.

Weiters hat die quantitative Lockerung dazu geführt, dass der Yen gegenüber dem Dollar abgewertet wurde. Auch wenn eine solche Konstellation natürlich für den Export günstig ist, ist es für die Importsituation nachteilig. Denn dadurch stiegen die Preise für Importe (natürliche Ressourcen usw.) die für Japan besonders wichtig sind, an, was besonders nachteilig für die gesamte Wirtschaftssituation zu betrachten ist.

Aus der jetzigen Sicht wäre es daher für Japan von Vorteil, wenn das Land eine einheitliche Führung auf einen längeren Zeithorizont verfolgt und so auf lange Dauer sicherstellen kann, dass das gewünschte Inflationsziel erreicht wird und der Wirtschaftsaufschwung gegeben ist. Das Vertrauen der Bevölkerung in die Regierung müsste durch Anreize letzterer zurückgewonnen, die Staatsverschuldung zeitnah abgebaut und der Überalterung müsste durch Öffnung des Arbeitsmarktes entgegenwirkt werden.

Conclusio

Es ist auch heute noch umstritten, ob und wieweit die expansive Geldpolitik Japans Erfolg hatte bzw. noch Erfolg haben wird. Obwohl geldpolitische Stimuli alleine zweifellos nicht ausreichen, um die angepeilten Ziele zu erreichen, konnte Japan seit 2002 nach langer Zeit wieder ein jahrelanges Wirtschaftswachstum verzeichnen. Seit letztem Jahr kommt aber zu dem noch nicht erreichten 2%igen Inflationsziel auch noch die Corona-Krise hinzu. Die vollen Auswirkungen auf die Wirtschaft lassen sich erahnen, aber noch nicht vollumfänglich feststellen. Es besteht die Gefahr, dass bisherige Ansätze ad absurdum geführt werden, da von einer umfassenden monetären Unterstützung der Wirtschaft durch Regierungen ausgegangen werden muss. Obwohl in den anderen Industrieländern mittlerweile eine Inflation von 3-5% vorherrscht bleibt die Inflation in Japan 2021 unter 1%. Die Erwartung, dass Japan sein Ziel im Hinblick auf die Inflation erreicht, kann nur in kleinen Schritten nachvollzogen werden. Jedoch wird das noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Weitere Krisen nicht mit eingerechnet.

Japans Geldpolitik der letzten Jahrzehnte und die Prognose bis 2026 (Quelle: statista.com)
Japans Geldpolitik der letzten Jahrzehnte und die Prognose bis 2026 (Quelle: statista.com)

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