Thesaurierung

Hier finden Anleger relevante Informationen zur Thesaurierung bei Investmentfonds. Wer kürzlich eine Abbuchung am Verrechnungskonto mit dem Text „Thesaurierung transparenter Fonds“ vorgefunden hat, findet hier die Erklärung zum Vorgang der Thesaurierung.

Die Thesaurierung

Thesaurierende Investmentfonds

Thesaurierende Fonds schütten ihre im Fonds anfallenden Erträge nicht direkt an die Anleger aus, sondern reinvestieren diese Gewinne automatisch. Dieser Vorgang ist besser bekannt unter der Bezeichnung Thesaurierung. Die im Fonds anfallenden Gewinne und Ausschüttungen bezeichnet man als ausschüttungsgleiche Erträge.

Da einem diese Erträge indirekt zugutekommen, müssen sie im Zuge der Wiederveranlagung versteuert werden. Die dabei aufkommende Steuerschuld gegenüber dem Finanzamt wird in weiterer folge direkt vom Verrechnungskonto abgebucht. In der Buchungszeile findet sich gegebenenfalls ein Text mit dem Hinweis „Thesaurierung transparenter Fonds“ wieder.

Sollte das Verrechnungskonto dadurch einen negativen Saldo aufweisen, empfiehlt es sich, dieses auszugleichen, da seitens des Brokers Sollzinsen anfallen. Steuereinfache Broker führen diese Steuerschuld automatisch beim jeweiligen Finanzamt ab.

Wann genau diese Reinvestition stattfindet bzw. wann die Steuer dafür vom Verrechnungskonto eingezogen wird, ist von Fonds zu Fonds unterschiedlich und kann nicht genau vorhergesagt werden.

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Thesaurierung Beispiel

Stell Dir vor, Du hast zum Beispiel einen Fondsanteil um 100€ gekauft. Nun werden am Stichtag ausschüttungsgleiche Erträge in der Höhe von 10€ thesauriert. Am Verrechnungskonto wird jetzt die Steuerlast für die 10€ in der Höhe von 27,5% eingezogen, also in dem Fall 2,75€. Der Wert Deiner Fondsanteile erhöht sich im selben Moment um 10€ und Dein neuer Einstandskurs beträgt 110€. Im Depot hättest Du jetzt bei Deiner Rendite 0% stehen. Da Du aber lediglich 100€ investiert hattest, weißt Du, dass Du bereits 10% Profit erwirtschaftet hast. Das bedeutet auch, wenn Du jetzt Deinen Anteil verkaufen würdest, würden auf die 110€ keine Steuern mehr anfallen, da diese bereits über das Verrechnungskonto entrichtet wurden.

Ich hoffe, das Beispiel war einigermaßen gut verständlich und Du hast jetzt eine bessere Vorstellung davon, wie sich die Thesaurierung eines Investmentfonds in Deinem Depot auswirkt.

Merke Dir Folgendes

Durch die Thesaurierung verändert sich immer der bisherige Buchgewinn sowie die Gesamtrendite. Der Einstandswert wird nach oben korrigiert, was gleichzeitig einen etwaigen Buchgewinn sowie die Rendite beeinflusst. Die Anzahl der Fondsanteile verändert sich nicht, diese werden nur wertvoller!

Abbuchung der Steuerschuld

Die Abbuchung der Steuerschuld, welche durch die Thesaurierung gegenüber dem Finanzamt entsteht, erfolgt beim steuereinfachen Broker automatisch und immer über das Verrechnungskonto. Der Grund dafür ist schnell erklärt.

Angenommen, es wird der MSCI World ETF von iShares bespart. Dieser wird nicht nur in Österreich vertrieben, sondern auf der ganzen Welt. Auch Anleger in Deutschland, für welche ganz andere steuerlichen Regelungen gelten als für uns in Österreich, können dieses Produkt zeichnen. Der Fondsanbieter kann unmöglich die Versteuerung für alle einzelnen Anteilseigner durchführen. Das ist auch gar nicht seine Aufgabe als Fondsanbieter.

Daher meldet der Fondsanbieter bei uns in Österreich lediglich die Höhe der ausschüttungsgleichen Erträge an die österreichische Kontrollbank. Von dieser bezieht der steuereinfacher Broker die Datenbasis, um die korrekte Steuerlast zu berechnen. Diese wird dann direkt vom Verrechnungskonto abgebucht.

Die Abbuchung der Steuerschuld über das Verrechnungskonto ist der Tatsache geschuldet, dass nur der Broker die Steuerdaten der Kunden kennt.

Abbuchung der Steuerlast der Thesaurierung

Tipps für die Thesaurierung

Geld für die Thesaurierung am Verrechnungskonto bereithalten

Nachdem man nur schwer voraussagen kann, wann die Steuer für die Thesaurierung vom Verrechnungskonto eingezogen wird, lohnt es sich, einen kleinen Puffer am Verrechnungskonto liegen zu haben. So wird verhindert, dass das Konto ins Minus rutscht. Das kann bei einem Online-Broker leicht passieren und dann werden prompt Sollzinsen fällig. Die Steuerlast wird stets vom Verrechnungskonto eingezogen. Auch dann, wenn der Fondssparplan per SEPA Lastschriftmandat vom Girokonto aus abgebucht wird.

Beispiel: Negativzinsen bei Flatex

Anleger, die Fonds oder ETFs beim Online-Broker Flatex halten, haben sich bisher vielleicht bemüht, ohne Einlagen am Verrechnungskonto auszukommen, da Flatex Negativzinsen in der Höhe von -0,4% p.a. verrechnet. Die Negativzinsen werden erst bei Bareinlagen ab 250€ fällig! Das bedeutet, Anleger können ohne Angst vor Negativzinsen Geld für die Thesaurierung auf dem Verrechnungskonto lagern. Auch darüber hinaus werden die Negativzinsen nur selten für einen Vermögensschaden sorgen. Hätte man ein Jahr lang 1.000€ auf dem Flatex Verrechnungskonto, dann würde das lediglich 4€ kosten.

Sollte das Verrechnungskonto aufgrund der Abbuchung der Steuerschuld ins Minus gerutscht sein, werden Sollzinsen in der Höhe von 4,9% p.a. fällig. Ein negativer Kontostand sollte daher umgehend ausgeglichen werden.

Vorteile von thesaurierenden Investmentfonds

Thesaurierende Investmentfonds haben in Österreich einen kleinen steuerlichen Vorteil. Dieser Vorteil versteckt sich in der Besteuerung von Substanzgewinnen, also jenen Gewinnen, die aus dem Verkauf von Wertpapieren innerhalb des Fonds entstehen. Dieser Gewinn muss nur mit 60% der KESt versteuert werden. Dadurch verringert sich die Steuerlast auf 16,5% (60*0,275). Die Besteuerung von Dividendenerträgen innerhalb des Fonds bleibt hingegen bei 27,5%.

Ein weiterer Vorteil stellt die direkte Reinvestition dar. Dadurch sparen sich Anleger eventuelle Ordergebühren für die Wiederveranlagung der Gewinne. Mit einem thesaurierenden Fondsprodukt profitieren Anleger maximal vom Zinseszinseffekt.

FAQ

Häufig gestellte Fragen

Hier sammeln wir Antworten auf häufig gestellte Fragen im Zusammenhang mit der Thesaurierung von Investmentfonds und ETFs.

Egal, ob automatische Thesaurierung oder eine umgehende Reinvestition beim ausschüttenden Fonds, beides hat denselben Effekt. Die Fondsanteile werden bei der Thesaurierung mehr wert. Würdest Du eine Ausschüttung bekommen und diese dann gleich wieder anlegen, hätte das denselben Effekt nur eben, dass Du die Reinvestition selbst durchführen musst.

Die Anzahl Deiner Anteile ist tatsächlich nebensächlich! Ob sich 1.000€ auf 100 oder auf 10 Stück aufteilen ist egal. Es bleiben 1.000€. Ob sich der Wert Deiner gesamten Anteile um 10€ erhöht oder Du Dir um 10€ einen weiteren Anteil kaufst, kommt auf dasselbe Ergebnis.

Die Thesaurierung ist nichts anderes, als die Art der Gewinnverwendung, der im Fonds anfallenden Gewinne. Nachdem Du für diese Gewinne im Zuge der Thesaurierung Steuern abgeben musst, wird der Nettogewinn Deinem Einstandskurs aufgeschlagen.

Das hat zur Folge, dass Dein Einstandskurs um den Nettogewinn der Thesaurierung ansteigt. Somit ist Dein Fondsanteil nach der Thesaurierung mehr wert.

Das ist von Fonds zu Fonds unterschiedlich. In der Regel bei Investmentfonds die Thesaurierung einmal im Jahr durchgeführt. Bei manchen Investmentfonds findet die Thesaurierung allerdings auch quartals- oder monatsweise statt. Weitere Informationen dazu findest Du im sogenannten „Factsheet“ des jeweiligen Fonds.

Einen schnellen Aufschluss über die Frage ergibt sich durch ein geschultes Auge. Bei thesaurierenden ETFs finden sich nämlich die Buchstaben „T“ oder „ACC“ in der Fondsbezeichnung wieder.

Weiters findest Du den Hinweis zur Art der Gewinnverwendung im Factsheet des jeweiligen Fonds.

Im Prinzip agieren beide Fondstypen gleich. Nur hinsichtlich der Gewinnverwendung wirken sich die beiden Formen verschieden aus. Thesaurierende Investmentfonds sind für ein nahezu exponentielles Wachstum der Rendite bekannt. Währenddessen nimmt die Rendite bei ausschüttenden Fonds, sofern die Kurse steigen, nicht ganz so schnell zu, weil man dem Fondsvolumen durch das Auszahlen erzielter Gewinne einen Teil der Basis für höhere Gewinne nimmt. Statt das Volumen immer weiter wachsen zu lassen, reduziert man es, indem man sich immer wieder Summen auszahlen lässt.

Werden innerhalb eines Fonds Gewinne realisiert oder Dividenden erwirtschaftet müssen diese versteuert werden. Die Versteuerung dieser Erträge erfolgt bei den meisten Fonds jährlich. Die Steuerlast wird direkt vom Verrechnungskonto abgezogen. Daher solltest Du immer einen kleinen Cashanteil auf Deinem Verrechnungskonto haben, damit Du nicht ins Minus rutscht.

Das ist schwierig zu pauschalieren. Du kannst Dich zum Beispiel erkundigen, wie hoch die Ausschüttung in den letzten Jahren war und dann überschlagsmäßig einen Betrag am Verrechnungskonto parken. Wenn Du es auch gerne unkompliziert hast, so wie ich, dann lege Dir einfach immer ein paar Hundert Euro auf das Verrechnungskonto und die Sache hat sich erledigt.