Der Gedanke an regelmäßige Ausschüttungen ist motivierend – Monat für Monat Geld aufs Konto, ohne dafür zu arbeiten. Genau diese Vorstellung macht Dividenden so attraktiv. Die Rechnung dahinter fällt allerdings ernüchternder aus, als es die Erzählung vom passiven Einkommen vermuten lässt.
Entscheidend ist die Größenordnung des benötigten Kapitals. Bei einer angenommenen Bruttodividendenrendite von rund 3 % und der österreichischen Kapitalertragsteuer von 27,5 % bleiben netto etwa 2,2 % übrig. Für ein passives Einkommen von 1.000 Euro im Monat müssen damit grob 550.000 Euro investiert sein – für 2.000 Euro monatlich bereits rund 1,1 Millionen Euro. Der Traum, von Dividenden zu leben, setzt also ein beträchtliches Vermögen voraus.
Hinzu kommt ein Denkfehler, der häufig übersehen wird: Eine Ausschüttung ist kein zusätzlicher Ertrag, sondern eine Umschichtung von Kurs- in Barvermögen. Am Ausschüttungstag sinkt der Kurs üblicherweise genau um die gezahlte Dividende. Das ausbezahlte Geld war vorher bereits Teil des Investments – es wechselt lediglich von deinem Investment auf dein Verrechnungskonto.
Mit jeder Ausschüttung sinkt somit das im Wertpapier gebundene Kapital. Wird der Betrag entnommen und verbraucht, schrumpft die Basis, aus der künftige Ausschüttungen entstehen. Und selbst bei Wiederveranlagung sind zuvor 27,5 % an das Finanzamt geflossen – Kapital, das dem weiteren Vermögensaufbau nicht mehr zur Verfügung steht.