Wiener Börse CEO Christoph Boschan im Interview

Die Wiener Börse wurde 1771 als eine der ersten Wertpapierbörsen der Welt gegründet und betreibt heute die Börsenplätze Wien und Prag. Im Interview mit "Finanzen verstehen" berichtet Wiener Börse CEO Christoph Boschan unter anderem über die KESt-Befreiung für Wertpapiere in Österreich.

Christoph Boschan im Interview

Anders als in Deutschland gibt es in Österreich keinen Freibetrag bei Wertpapieren. Daher möchte Finanzminister Magnus Brunner eine rasche KESt-Befreiung für Wertpapiere wieder einführen. Die Besteuerung von Wertpapieren bestraft aufgrund der hohen Steuerbelastung aktuell langfristige Anleger, das möchte die Regierung ändern. Im Interview verrät Christoph Boschan, CEO der Wiener Börse, dass er das Vorhaben, Aktiengewinne nach einer bestimmten Haltedauer steuerfrei auszuschütten, befürworte.

Wie bringt man die Menschen in Österreich an den Kapitalmarkt?

Österreich ist ein wohlhabendes Land und die Aktionärsquote ist nicht unterdurchschnittlich ausgeprägt, dennoch ist im Vergleich zu entwickelteren Kapitalmärkten wie der USA oder sogar der Schweiz viel Potenzial nach oben. Wie das geht? Finanzbildung ist der beste Weg, um solche Chancen wahrzunehmen.

Finanzbildung ist der beste Anlegerschutz.
— Christoph Boschan

Wiener Börse CEO Christoph Boschan

KESt-Befreiung: Relevanz erkannt?

In Deutschland gibt es bereits einen Freibetrag bei Wertpapieren und auch in Österreich waren Aktiengewinne bis 2012 bei einer bestimmten Anlegedauer KESt befreit. Nun ist dieses Thema wieder in Diskussion. Die Politik hat die Relevanz des Aktienmarktes nur eingeschränkt erkannt. Herr Boschan erklärt hierbei, dass die Gewinnausschüttungen der Aktien aus bereits versteuerten Unternehmenseinkommen kommen. Zusätzlich dazu wird auch auf individueller Anlegerbasis besteuert. Mit 27,5 % KESt Steuer ist Österreich hierbei sogar absoluter Spitzenreiter. Deshalb ist es wichtig, hier für Erleichterung zu sorgen, um so auch das Aktieninvestment in Österreich in die Breite zu ziehen. Herr Boschan spricht sich im Interview also ganz klar für ein einfacheres Steuerregime aus.

Spekulierst Du mit Deiner Pension, wenn Du in Aktien investierst?

Derzeit wird rund die Hälfte der Pensionsauszahlungen vom allgemeinen Bundeshaushalt subventioniert. Ist es dann also wirklich eine Frage der Spekulation, sein Geld in Aktien anzulegen? Herr Boschan ist der Meinung, keine substanzielle Antwort in den Vorsorgesystemen, bezogen auf unseren derzeitigen demografischen Wandel, zu haben, entspräche Spekulation und nicht, in den Aktienmarkt zu investieren.

Wie kannst Du Spekulation und Investition trennen?

Oft treten Spekulation und Investition in gleicher Erscheinungsform auf, dennoch sind diese beiden Konzepte sehr unterschiedlich. Herr Boschan würde hierbei aber auch noch ein drittes Konzept hinzufügen: die Wette. Diese ist nur zufallsbehaftet, daran haftet kein Konzept und es gibt eine klare Aussicht, dass nur der Wettanbieter gewinnt.
Bei einer Spekulation hingegen folgt man meist einem gesellschaftlichen Narrativ. Man hat meist eine ungefähre Vorstellung, warum man so handelt, dennoch fehlt jedes substanziell begründetes Nachdenken.
Investition hingegen fragt immer, mit welchem heutigen Wert kann ich mich in zukünftige wiederkehrende Erträge einkaufen. Nur die Investition ist eine dauerhafte Methode, mit der auch unter anderem eine geeignete Pensionsvorsorge möglich ist.

Deshalb immer informieren und dann investieren.

Hier gehts zum kompletten Interview mit Christoph Boschan:

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Christoph Boschan, CEO der Wiener Börse

Christoph Boschan ist seit 1. September 2016 Vorstandsvorsitzender der Börsengruppe Wien und Prag. Er startete seine Berufslaufbahn 1999 als Wertpapierhändler bei Tradegate. Vor seinem Wechsel an die Wiener Börse war er unter anderem Joint-CEO bei der Börse Stuttgart sowie Vorstand der Euwax. Mehr über Christoph Boschan erfahren.“